Hamburger Abendblatt

NACHTSPEICHER23.Die Welt ist groß, und Kunst lauert überall. Sie muss sich ihre Räume allerdings erst erobern. Die Rückseite einer Schrankwand etwa dient dem Berliner Matthias Moravek dazu, eigenwillige Siebdrucke mit Klebebildern anzufertigen. Man sieht Schattenrisse von Zelten, Menschen mit Messgeräten, umringt von ein paar Büschen. Die Szenerie erinnert an eine Polarlandschaft.

Die Hamburgerin Charlotte Crome wiederum, Absolventin der HAW und der Accademia di Belle Arti in Venedig, hat die Erfahrungen, die sie auf einer Reise durch Slovenien gesammelt hat, in die Bergstrukturen ihrer Malerei einfließen lassen. Flussgleich strömen sie dahin und erweitern sich zu einer saftigen, grünen Landschaft.

Mit den Mitteln der Klanginstallation erforscht der Weimarer Künstler Carl Vetter den Raum. Für seine audio-visuellen Konzepte, die sich immer auch mit dem dazugehörigen Ort oder einer Landschaft auseinandersetzen, nutzt er Naturmaterialien. Hier hat er für von der Decke hängende Natursteine eine Partitur verfasst. Diese Arbeit wird in der Ausstellung "Quadratkubikmeter hoch eins", die ab heute im Nachtspeicher23 zu sehen ist, allerdings nur als Dokumentation gezeigt.

Die Genannten sind nur ein Teil von insgesamt 19 zeitgenössischen Künstlern aus Hamburg, Deutschland und Polen, die bis zum 11. Juli im Nachtspeicher23 ihre Werke zu den Themen "Raum" und "Verortung" ausstellen. Kuratiert wurde die Ausstellung gemeinsam von Lena Oehmsen, Thorsten Dittrich und Tanja Hehmann.

Die zur Schau gestellte Kunst ist das eine; sie gibt jedoch auch immer Aufschluss über das dahinter stehende Welt- und Raumverständnis. Ist die Welt ein großes Loch, in das einfach alles hineinfließt, oder ist sie ein gigantisches offenes System? Die Ansätze sind so vielfältig wie die beteiligten Künstler. Der Pole Piotr Kotlicke lässt in seiner Malerei zum Beispiel einen Kosmonauten aus dem All auf eine Erde fallen. Die Spannung zwischen Objekt und Außenraum beschäftigt den Trierer Bildhauer Sebastian Böhm in seinen Plastiken.

Die Ausstellung spiegelt das Ergebnis der ersten bundesweiten Ausschreibung der Galerie. 111 Künstler aus vielen Bereichen und Genres haben sich mit ihren Arbeiten beworben. Die Ergebnisse waren so aufschlussreich und vielfältig, dass sich das Kuratorentrio entschloss, die Ausstellung zu splitten: Auf "Quadratkubikmeter hoch eins" folgt im Herbst "Quadratkubikmeter mal zwei".

Quadratkubikmeter hoch eins Vernissage heute 19.00, dann Sa/So 15.00-18.00 u. n. V., Nachtspeicher23 (S Berliner Tor), Lindenstraße 23, Eintritt frei; Internet:
nachtspeicher23.de


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